70 Einsatzkräfte von THW und Feuerwehren probten erfolgreich auf Burg Neuhaus
Burg Neuhaus: Gemeinsame Großübung von THW und Feuerwehren Bad Mergentheim und Igersheim.
Es war ein Bild, das bei Passanten und Anwohnern zunächst etwas Besorgnis auslöste: Im Minutentakt näherten sich Einsatzfahrzeuge mit Blaulicht dem Gelände der Burg Neuhaus. Was auf den ersten Blick wie ein „echter“ Einsatz wirkte, entpuppte sich jedoch schnell als Großübung.
Unter dem Szenario eines massiven Brandes auf einem landwirtschaftlichen Anwesen probten rund 70 Einsatzkräfte der Feuerwehren und des Technischen Hilfswerks (THW) den Ernstfall.
Strategische Planung für den Ernstfall
Hinter der Übung steckte eine monatelange Vorbereitung. Die stellvertretenden Kommandanten Max Ikas (Feuerwehr Igersheim) und Sebastian Quenzer (Feuerwehr Bad Mergentheim) zeichneten für die Organisation verantwortlich.
Ihr Ziel war es, eine Übungsumgebung zu schaffen, die so realistisch wie möglich ist. „Ein landwirtschaftliches Anwesen in dieser Lage bietet taktische Herausforderungen, die man im Schulungsraum nicht simulieren kann“, so die Organisatoren. Es ging nicht nur um das Löschen, sondern um die gesamte Logistikkette und die Kommunikation über Organisationsgrenzen hinweg.
Die logistische Herkulesaufgabe: Wasserversorgung
Ein Schwerpunkt der Übung war die Sicherstellung der Löschwasserversorgung. In abgelegenen Gebieten wie der Burg Neuhaus stößt das öffentliche Hydrantennetz bei einem Großbrand schnell an seine Kapazitätsgrenzen.
Um dieses Problem zu lösen, wurde ein zweigleisiges System aufgebaut: Stationäre Versorgung: Nutzung des vorhandenen Hydrantennetzes vor Ort. Mobiler Pendelverkehr: Einrichten eines sogenannten „Wassertransports im Pendelverkehr“.
Tausende Liter Wasser vom Tal auf den Berg gebracht
Hierbei brachten schwere Wechselladerfahrzeuge der Feuerwehren aus Tauberbischofsheim, Markelsheim und Bad Mergentheim kontinuierlich tausende Liter Wasser aus dem Tal auf den Berg. Dieses Verfahren erforderte präzises Zeitmanagement und eine klare Verkehrsführung, um sicherzustellen, dass der Wasserstrom niemals abreißt. Nur durch diese Kombination wurde eine dauerhafte Brandbekämpfung über mehrere Stunden simuliert.
Taktische Koordination und Brandbekämpfung
Parallel zur Wasserversorgung lief die aktive Brandbekämpfung auf Hochtouren. Mehrere Angriffstrupps unter Atemschutz drangen zum Übungsobjekt vor. Die Priorität lag darauf, eine Ausbreitung des „Feuers“ auf die historischen und angrenzenden Gebäudeteile der Burg zu verhindern – eine klassische Riegelstellung.
Die Einsatzleitung koordinierte die verschiedenen Abschnitte direkt vor Ort. In der mobilen Einsatzzentrale liefen alle Fäden zusammen. Hier wurde entschieden, welche Einheiten wo eingesetzt werden und wie die Prioritäten bei der Rettung von Sachwerten und der Brandkontrolle gesetzt werden.
Hochmoderne Unterstützung aus der Luft
Ein technisches Highlight war die Einbindung des THW-Ortsverbandes Igersheim. Dessen Experten unterstützten die Einsatzleitung mit einer spezialisierten Drohneneinheit. Die Drohne lieferte hochauflösende Luftbilder in Echtzeit, die direkt auf die Monitore im Einsatzleitwagen der Feuerwehr Bad Mergentheim übertragen wurden.
Diese „Vogelperspektive“ ist für die moderne Einsatzführung Gold wert: Glutnester können identifiziert, die Ausbreitung des Rauchs beobachtet und die Aufstellung der Einsatzfahrzeuge optimiert werden, ohne dass Einsatzkräfte unnötig in Gefahr gebracht werden müssen.
Ein Fazit für die Sicherheit der Bevölkerung
Nach mehreren Stunden intensiver Arbeit zogen die Verantwortlichen eine durchweg positive Bilanz. Das Hauptziel – die Stärkung der interkommunalen Zusammenarbeit – wurde voll erreicht.
Im Ernstfall zählt jede Sekunde; dann müssen Kommunikationswege zwischen den Feuerwehren aus Igersheim, Bad Mergentheim, Markelsheim, Tauberbischofsheim und dem THW blind funktionieren.
Die Übung auf Burg Neuhaus hat bewiesen, dass die Region über schlagkräftige und hochprofessionelle ehrenamtliche Einsatzkräfte verfügt.
Ein besonderer Dank galt der Feuerwehr Abteilung Bernsfelden sowie allen beteiligten Wehren, die durch ihren Einsatz einen wesentlichen Beitrag zur Sicherheit der Bürger leisten. Solche Übungen sind das Rückgrat der Gefahrenabwehr und zeigen: Wenn es brennt, ist Verlass auf das Netzwerk der Helfer.
Text: Fränkische Nachrichten (Klaus Mende)
Bild: FFW Igersheim
