Einsatz am Limit erfolgreich simuliert

Großangelegte Katastrophenschutzübung von Feuerwehr, THW und DRK in Bad Mergentheim.

 Ein kühler Freitagabend, die ersten schweren Einsatzfahrzeuge biegen um die Ecke. Blaues Blinklicht spiegelt sich in den Fenstern der Gebäude, und im Nu ist das Gelände des ehemaligen städtischen Alten- und Pflegeheims von geschäftiger Betriebsamkeit erfüllt. Was für Außenstehende wie ein Ernstfall aussieht, ist eine großangelegte Katastrophenschutzübung unter realen Bedingungen: Rund 100 Aktive von Feuerwehr, THW und DRK proben hier die Rettung von Menschenleben unter extremem Zeit- und Ressourcendruck.

Szenario zeichnet ein düsteres Bild

Das Szenario zeichnet ein düsteres Bild: Eine großflächige, extrem dynamische Unwetterlage hat die Region erfasst und flächendeckend massive Schäden angerichtet. Die reguläre Gefahrenabwehr ist längst an ihre Leistungsgrenzen gestoßen; der Main-Tauber-Kreis meldet rund 250 Brennpunkte. Die Konsequenz: Es wird der Katastrophenfall ausgerufen. Inmitten dieses Chaos brennt es nun auch noch im ehemaligen städtischen Alten- und Pflegeheim in Bad Mergentheim. Eine Fettexplosion im Küchenbereich des Kellergeschosses hat ein Feuer entfacht. Dichter Rauch versperrt die Fluchtwege, fünf Personen gelten als vermisst – jede Sekunde zählt.

Initiiert wird diese Großübung von Jochen Herrschlein, der den spezialisierten Löschwasserversorgungszug anführt. „Ich mache den Zug seit 23 Jahren, habe aber noch nie eine Übung gemacht mit verschiedenen Organisationen“, berichtet Herrschlein über die Hintergründe. „Deswegen war meine Idee, ob man nicht mal in dieser Konstellation zusammen übt. Ich bin auf Marco Wieczorek vom THW und Daniel Schmidt vom DRK zugegangen und habe gefragt, ob Interesse an einer gemeinsamen Übung besteht – alle waren sofort dabei.“ Rund 90 Einsatzkräfte nehmen am Freitag aktiv teil, tatkräftig unterstützt von zehn Mimen, die die verletzten Opfer täuschend echt verkörpern.

Die Koordination liegt in den Händen von Einsatzleiter Christian Schulz, Stadtkommandant der Feuerwehr Bad Mergentheim. Als mobiles Einsatzzentrum dient ihm der moderne Einsatzleitwagen (ELW 1), bei dem sämtliche Funk- und Befehlswege zusammenlaufen. Die Einheiten versammeln sich zunächst im Bereitstellungsraum am Volksfestplatz. „Nach der Erkundung wurden die ersten Einheiten an die Einsatzstelle abberufen“, erklärt Schulz. Vor Ort teilt der Einsatzleiter das Schadensgebiet schließlich in verschiedene Abschnitte auf.

Der erste Abschnitt betrifft die Menschenrettung und Gefahrenabwehr im verrauchten Gebäude. Unter schwerem Atemschutz dringen die ersten Trupps in das dunkle Kellergeschoss vor, um nach den Vermissten zu suchen. Gleichzeitig bricht jedoch die örtliche Wasserversorgung ein – der Einsatzbefehl für den Kat-S-Zug Löschwasserversorgung aus Bad Mergentheim und Igersheim. Seine Aufgabe: die Herstellung einer stabilen Wasserversorgung über lange Wegstrecken. Herrschlein hebt die Besonderheit dieser Einheit hervor: „Unser Versorgungszug besteht fast ausschließlich aus Bundesfahrzeugen.“

THW Igersheim mit 25 Kräften vor Ort

Parallel dazu läuft der Einsatzabschnitt des THW Igersheim an. „Das THW ist mit 25 Leuten vor Ort, mit zwei Lkw und zwei MTW und dem Lichtmastanhänger“, berichtet Rainer Stephan. Die Helfer haben einen vielschichtigen Auftrag zu bewältigen. „Vom Einsatz her war unser Auftrag Ausleuchten und Personenrettung. Hierbei galt es, die eingeklemmten Personen mit Bergemitteln zu befreien und aus dem verrauchten, nicht feuerbelasteten Bereich zu retten“, so Stephan. Die Lichtmaste tauchen das gesamte Areal in gleißendes Licht.

Am Ende der Rettungskette steht das DRK bereit, um die Geretteten medizinisch zu versorgen. Daniel Schmidt zieht für das DRK Bilanz: „Wir waren mit drei Fahrzeugen dabei. Die Übung ist gut gelaufen. Ich bin sehr zufrieden. Wir hatten ein paar Probleme, sie aber zum Teil sofort beheben können. Und jetzt gibt es für uns etwas Nacharbeit. Doch das Zusammenspiel mit Feuerwehr und THW hat gut funktioniert.“

Nach rund eineinhalb Stunden schweißtreibender Arbeit heißt es schließlich: „Übungsende“. Alle Brände sind gelöscht, die Wasserversorgung hält stand und sämtliche Vermisste werden gerettet. Jochen Herrschlein zeigt sich überaus zufrieden: „Unser Ziel war die Zusammenarbeit aller drei Organisationen. Und es war wichtig, den einsatztaktischen Wert aller Aktiven und die Vorgehensweise kennenzulernen.“ Dabei verweist Herrschlein auch auf den überregionalen Charakter solcher Großlagen: „Natürlich würde so ein Fall nicht immer hier vor Ort stattfinden, sondern zum Beispiel im Ahrtal, wofür die übergeordnete Einsatzleitung Einheiten zusammenstellt, die eine Einsatzstelle zugeordnet bekommen, die sie gemeinsam abarbeiten.“

Auch Einsatzleiter Christian Schulz zieht ein positives Fazit: „So haben wir Hand in Hand den Einsatz innerhalb von eineinhalb Stunden abgearbeitet. Am Ende gab es ein paar Feinheiten, die wir verbessern müssen. Aber letztlich hat es perfekt funktioniert.“

Das erfolgreiche Projekt wird wohl Schule machen: Die Führungskräfte der drei Blaulichtorganisationen beschließen, künftig regelmäßig gemeinsame Sache zu machen. „Wir werden solche Übungen jährlich wiederholen, um die Zusammenarbeit weiter zu perfektionieren“, betont Jochen Herrschlein abschließend. Nach diesem intensiven Übungseinsatz steht fest: Die lokale Blaulichtfamilie ist im Schulterschluss bereit für jede Herausforderung.

Quelle: Fränkische Nachrichten Klaus Mende (Text und Bilder)