Spielerisch zum Ehrenamt
Kindergruppe feiert an diesem Freitag mit einem kleinen Fest ihren zehnten Geburtstag.
„Blaulicht ist ein Highlight für Kinder“, so Melanie Fischer, Leiterin der Kindergruppe der Freiwilligen Feuerwehr Igersheim. Kein Wunder also, dass sich die Kindergruppe nun schon seit zehn Jahren an großer Beliebtheit erfreut und am Freitag ihr Jubiläum feiert.
Idee wurde aus Ostfriesland importiert
Am 8. Oktober 2016 zeigte sich das Engagement der Kindergruppe zum ersten Mal in der Öffentlichkeit: An diesem Tag fand nämlich das Gauditurnier der Kreisjugendfeuerwehr Main-Tauber in Igersheim statt. „Melanie war ab der ersten Stunde mit dabei“, erinnert sich Jugendwart Michael Gakstatter. Sein Kamerad Weert Meyer habe die Idee aus dem Norden mitgebracht. In Meiers Heimat in Ostfriesland hat es eine Kindergruppe gegeben. Nach seinem Umzug nach Igersheim sei er auf Fischer zugekommen, um ein ebensolches Angebot auch in der hiesigen Jugendfeuerwehr zu etablieren. Im Rahmen der Vorbereitungen für das Gauditurnier sei die Kindergruppe schließlich ins Leben gerufen worden. Damals habe man sich bei der ersten Kindergruppe im Main-Tauber-Kreis in Wachbach umgeschaut und informiert. Jetzt, zehn Jahre später, besuchen Kameraden aus Freudenberg das Jubiläum am Freitag, um sich für die eigene Gründung einer Kindergruppe Ratschläge zu holen.
Während Jugendgruppen der Feuerwehr in vielen Gemeinden geläufig sind, schätzt Gakstatter, dass heute etwa die Hälfte der Freiwilligen Feuerwehren auch Kindergruppen hätten – wobei die Igersheimer zu einer der ersten im Kreis gehörten. Im Gegensatz zur Jugendgruppe, bei der Feuerwehrtechnik im Vordergrund und spielerische Elemente an zweiter Stelle stünden, komme es bei der Kindergruppe noch mehr auf Pädagogik an. Als Erzieherin bringt Melanie Fischer dieses nötige pädagogische Fachwissen mit, das für die jungen Feuerwehrler zwischen sechs und zehn Jahren von Bedeutung sei.
Was die Feuerwehr selbst angeht, sei sie jedoch Quereinsteigerin, erzählt sie selbstironisch. Über ihren Ehemann Bernd, der sich bereits als aktiver Feuerwehrmann engagierte, habe sie jedoch Berührungspunkte mit den Ehrenamtlichen gehabt – und nach einigen Lehrgängen und Fortbildungen sei sie schließlich die Verantwortliche der Kindergruppe geworden.
Abwechslung, Bewegung und Greifbarkeit – darauf legen die fünf Betreuer laut Fischer Wert. So kommen alle drei Wochen zehn bis zwölf Kinder zusammen, um gemeinsam die Aufgaben und Tätigkeiten der Feuerwehr spielerisch kennenzulernen und zu vertiefen.
Der stellvertretende Jugendwart und Pressesprecher der Igersheimer Feuerwehr, Jannik Konrad, weist auf die Vielfältigkeit der Kindergruppe hin, die die Feuerwehr beispielsweise von einem Sportverein unterscheide. Neben Bewegung und Gemeinschaft seien Erste Hilfe und Technik wichtige Bausteine, so dass ein breites Spektrum an Interessen bedient werde. Zudem könne das erlernte Know-how auch im privaten Umfeld eingesetzt werden, wie Fischer berichtet. Die Kinder lernten früh, mit Gefahren umzugehen, so dass sie im Ernstfall vorbereiteter seien, ergänzt der Pressesprecher. Was Erste Hilfe angeht, seien die Nachwuchs-Einsatzkräfte zudem oft angstfreier als Erwachsene. Außerdem sensibilisierten das Engagement und Wissen der jungen Ehrenamtler auch deren Eltern.
Mit viel Spiel und Spaß werden die Blaulicht-Fans an die Gerätschaften der „Großen“ herangeführt. Von Wassertransportübungen über Feuerwehrstiefelweitwurf bis hin zum klassischen Memory mit Feuerwehrmotiven – wichtig sei, dass der Bezug zur Feuerwehr hergestellt werde. Man male die Spiele sozusagen rot an, erklärt die Erzieherin. Beim Weihnachtsbasteln fertigte man die Christbaumanhänger dann nicht aus Papier an, sondern eben aus alten Feuerwehrschläuchen. Das kommt gut an – „die Feuerwehr ist ein Thema, bei dem die Kinder mit Begeisterung dabei sind“, freut sich Fischer. „Da kann es nicht schnell genug gehen, dass man mit den Übungen anfängt.“
Die Beliebtheit der Kindergruppe zeigt sich ebenso an der Warteliste und den wenigen Austritten. Von insgesamt 40 Kindern in zehn Jahren seien nur vier ausgetreten. Mehr als die Hälfte der Jugendgruppe besteht aus ehemaligen Kinderfeuerwehrlern und die ersten Gründungsmitglieder wechseln nun mit 17 Jahren in die aktive Einsatzabteilung.
Zwischendurch wird Bezug zur Umwelt aufgebaut
Neben den regulären Treffen achteten die Betreuer auch darauf, einen Bezug zur Umwelt aufzubauen, indem zweimal pro Jahr Müllsammelaktionen veranstaltet werden, betont Jugendwart Michael Gakstatter. Außerdem stünden gelegentliche Ausflüge, wie zur Flugplatzfeuerwehr in Niederstetten, oder der Besuch von Externen in Igersheim auf dem Programm. So haben die Kinder beispielsweise mit einem Leitstellendisponenten Notrufe geübt und die Perspektive von beiden Enden der Hörer erlebt.
Ihre Fähigkeiten können die Kinder bei der Abnahme des Kinderfunkens eins und zwei an diesem Freitag unter Beweis stellen. Das Abzeichen rund um Feuerwehrwissen, Erste Hilfe, Sport und Spaß stellt die zwei Altersgruppen von sechs bis acht und acht bis zehn vor Herausforderungen. Es gehe darum, dass die Kinder zusammen im Team agierten und die Übungen gemeinsam stemmten – wie bei den Einsätzen der „Großen“. Neben der Prüfung wird das Jubiläum mit einem kinderfreundlichen Festakt gefeiert. Der nächste Anlass zu einem Fest lässt übrigens nicht lange auf sich warten: Im März feiert die Jugendfeuerwehr ihr 50-jähriges Bestehen. Doch zunächst stehen die kleinsten Floriansjünger im Vordergrund, wenn sie mit Feuereifer am Freitag ihre Abzeichen erwerben.

