Zwischen Tradition und digitalem Aufbruch

Zusammenarbeit kennt keine Grenzen. Boom im Nachwuchsbereich. Blaulicht-Organisation sieht sich gut aufgestellt.

Sehen die Gesamtfeuerwehr Igersheim für die Zukunft gut aufgestellt: Jannik Konrad (Referent für Öffentlichkeitsarbeit), Max Ikas (stellvertretender Gesamtkommandant) und Jugendwart Michael Gakstatter.

Wenn man die Fahrzeughalle der Freiwilligen Feuerwehr Igersheim betritt, riecht es nicht nur nach Diesel, sondern auch nach Aufbruch. Hier wird das Ehrenamt nicht verwaltet – es wird im wahrsten Sinne des Wortes gelebt. In einer Zeit, in der viele Vereine die weiße Fahne hissen, rüsten sich die Igersheimer für die Zukunft. Ein Lagebericht zwischen Tradition und Zukunft.

Rund 150 Einsatzkräfte stehen zur Verfügung

Max Ikas, stellvertretender Kommandant der Gesamtwehr, ist gewissermaßen das, was man einen besonnenen Strategen nennt. Er blickt zufrieden auf die rund 150 Leute starke Truppe an aktiven Mitgliedern. „Ausrüstungstechnisch sind wir gut ausgestattet. Natürlich gibt es nach oben immer Luft, aber ich sage auch ganz deutlich: Die Gemeindeverwaltung mit Bürgermeister Frank Menikheim und der gesamte Gemeinderat unterstützen uns und gehen auf unsere Wünsche ein, soweit es eben geht“, beginnt der 35-Jährige im Rahmen einer „Bestandsaufnahme“ im Gespräch mit dem FN-Reporter.

In Igersheim gilt das Verhältnis zwischen Rathaus und „roter Fraktion“ (Feuerwehr) als recht harmonisch. Während anderswo Feuerwehrbedarfspläne in den Mühlen der Bürokratie zermahlen werden, meldet Max Ikas für Igersheim fast Vollzug: „Wir gehören zu jenen Kommunen im Main-Tauber-Kreis, die den Plan jetzt bald abgearbeitet haben.“ Das Herzstück der aktuellen Offensive sei Harthausen. Dort entstehe nicht nur ein neues Gerätehaus, sondern es rolle auch direkt das passende Auto dazu in die Garage. „Die Kameraden können sich freuen: Sie kriegen nicht nur ein Haus, sondern gleich das Fahrzeug dazu“, so der Vertreter von Kommandant Paul Dezonsk.

Doch auch am Kernstandort selbst werde nicht geruht. Die „Schwarz-Weiß-Trennung“ – im Feuerwehrjargon die „heilige Grenze“ zwischen dreckiger Einsatzkleidung und sauberer Privatwäsche – werde durch einen Anbau realisiert. „Es tut sich was, die Situation verbessert sich deutlich“, bilanziert Max Ikas erfreut. Allerdings: „Man muss immer schauen, dass man finanziell im Rahmen bleibt. Doch uns geht es diesbezüglich richtig gut.“

Wer wissen will, warum Igersheim keine Angst vor dem demografischen Wandel hat, muss sich mal mit Michael Gakstatter unterhalten. Der 32-Jährige ist Chef und „Gesicht“ der Jugend- und Kinderfeuerwehr und derzeit wohl der wenigen Jugendwarte in der Region, für den der Begriff Nachwuchsmagel ein Fremdwort ist. „Das Blaulicht fasziniert die Kinder nach wie vor. Diese Uniform, dieses Gutestun – und unsere Mischung aus Sport, Technik und Gesellschaft zieht einfach“, erklärt Gakstatter den Boom.

Besonders stolz sei er auf die Struktur, erzählt er. Statt jedes Dorf sein eigenes Süppchen kochen zu lassen, gebe es eine zentrale Jugendfeuerwehr für die gesamte Gemeinde. „Das schweißt die Gesamtfeuerwehr früh zusammen. Wenn die Jugendlichen später zu den Aktiven wechseln, gibt es kein Gruppendenken mehr nach dem Motto ‚Mein Dorf, dein Dorf‘“, so Michael Gakstatter. Aktuell umfasse die Nachwuchstruppe 34 Köpfe, darunter sieben Mädchen – 24 bei der Jugend und zehn bei den Kids.

Das Erfolgsrezept? „Selbstbestimmung. Wir trauen den Kindern was zu und lassen sie machen. Das motiviert ungemein“, erklärt der Jugendchef. Das gehe sogar so weit, dass die Jugendlichen ihren eigenen Social-Media-Auftritt mitgestalteten – natürlich unter der fachkundigen „Endkontrolle“ der Profis. Im nächsten Jahr stehe das 50-jährige Jubiläum der Jugendgruppe an. „Es wird eine kleine Blaulichtparty geben, das können wir schon mal spoilern“, verrät Gakstatter mit einem Augenzwinkern, ohne auf weiter geplante Highlights näher einzugehen.

Der Cloud-Manager: Bits statt Brandbeschleuniger

Feuerwehr 2026, das heißt auch: Kampf um den besten Empfang. Jannik Konrad, als Referent für Öffentlichkeitsarbeit das „Sprachrohr“ der Blaulicht-Organisation ist der Mann für die digitale Schlagkraft. Wer glaubt, hier werde nur mit analogen Karten gearbeitet, der irrt ganz gewaltig. „Wir digitalisieren massiv. Wir haben die Verwaltungssoftware ‚Fireplan‘, in der alle Personalstammdaten, Dokumente und die Alarmierung vernetzt sind“, erklärt Konrad. Und auf jedem Fahrzeug gebe es Tablets.

Besonders die neue Cloud-Lösung sei sein Steckenpferd, mein Jannik Konrad. „Früher hatten wir eine Festplatte. Wenn die ,abgeschmiert‘ ist, waren alle Bilder weg. Heute dient die Cloud der sicheren Einsatzdokumentation und Nachbesprechung“, so Konrad. Doch die schönste Cloud nütze nichts ohne funktionierendes Netz. Beim Thema Mobilfunkausbau verlässt die drei passionierten Feuerwehrler der Humor. „Wir brauchen flächendeckend Empfang. Für die Notrufe der Bürger, für die eCall-Systeme der Autos und für unsere Tablets“, macht Jannik Konrad deutlich. Und: „Wenn Hilfe schneller vor Ort ist, weil das Netz steht, hängen da schlicht Menschenleben dran. Da sollte man mal über den Tellerrand blicken.“

Am Ende des Gesprächs steht die Frage nach der Gesamtnote. Max Ikas überlegt kurz: „Wenn wir zehn Sterne vergeben könnten, würde ich uns zwischen acht und neun geben. Wir sind auf dem richtigen Weg.“ Die Igersheimer Wehr ist eine Truppe, die voller Zuversicht nach vorn blickt und fest verwurzelt ist im Reigen der Feuerwehr-Abteilungen im Main-Tauber-Kreis. Wobei Max Ikas hervorhebt: „Uns ist auch ein gutes Miteinander mit benachbarten Wehren wie etwa Bad Mergentheim wichtig – ebenso über die Landesgrenze nach Bayern, etwa nach Bütthard. Es gilt längst nicht mehr die Devise ,Mein Feuer, dein Feuer‘.“ Darüber hinaus hebt der stellvertretende Gesamtkommandant explizit auch die gute Zusammenarbeit mit anderen Blaulicht-Organisationen wie dem THW hervor.

Ob Hochwasser, technische Hilfeleistung oder klassischer Brand – die Aktiven der Freiwilligen Feuerwehr Igersheim sind bereit. Und so lange der Nachwuchs Schlange steht und die Gemeinde den Geldhahn nicht zudreht, wird das auch so bleiben. Die „Blaulichtfamilie“ lebt – digitaler, jünger und schlagkräftiger denn je.

Rund um die Igersheimer Feuerwehr

  • Die Feuerwehr Igersheim besteht den Abteilungen Igersheim, Harthausen, Neuses und Bernsfelden. Und auch in Simmringen gibt es Aktive, die aber eng mit Bernsfelden verzahnt sind.
  • Darüber hinaus gibt es eine Jugendfeuerwehr mit jeweils einer Kinder- und Jugendgruppe sowie einer Altersabteilung.
  • Die Feuerwehr Igersheim verfügt über rund 150 Aktive , die zu Einsätzen alarmiert werden können. Ihr Durchschnittsalter liegt bei etwa 39 Jahren.
  • Im Nachwuchsbereich sind zurzeit 34 Kinder und Jugendliche aktiv, darunter sieben Mädchen.
  • In infrastruktureller Hinsicht ist der Feuerwehr-Bedarfsplan fast erfüllt . Wo in Zukunft weiterhin Hand anzulegen ist, wird sich dann zeigen, wenn er fortgeschrieben wird.
  • Die Jugendwehr wird 2027 50 Jahre alt, die Gesamtwehr feiert 2029 ihren 100. Geburtstag.

Quelle: Fränkische Nachrichten Klaus T. Mende